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Die Frau aller Völker
… die einst Maria war?
Position des Bischofs von Haarlem, Msgr. Dr. Jozef Marianus Punt
Zur Zeit findet eine Diskussion, die einen Teil des Gebetes der „Frau
aller Völker“ betrifft, statt. Anlass dafür ist die Sorge,
die durch den Sekretär der Glaubenskongregation, Erzbischof Msgr.
A. Amato SDB, über einen „besonderen Aspekt“ dieser Verehrung,
ausgedrückt worden ist, namentlich den Satzteil „die
einst Maria war“. Diese Sorge wurde einigen philippinischen
Bischöfen, der Gemeinschaft „Familie Mariens“ und auch
Msgr. Dr. J. Punt mitgeteilt.
Die Sorge der Glaubenskongregation steht in einer längeren Tradition.
Bereits der erste Ortsbischof, Msgr. J. Huibers, rang vor 60 Jahren mit
dieser Formulierung. Anfänglich wollte er den Satzteil weglassen,
später aber akzeptierte er diesen und gab das Imprimatur. Mittlerweile
haben weltweit 70 Bischöfe und Kardinäle ihr Imprimatur gegeben.
Das bedeutet, dass sie keinen Widerspruch zu irgendeiner Lehre der Kirche
sehen. 1996 wurde die öffentliche Verehrung mit Zustimmung des Präfekten
der Glaubenskongregation freigegeben. Im Jahr 2002 hat der Ortsbischof
die Erscheinungen in ihrem Kern als echt anerkannt.
Selbstverständlich ist der Bischof mit der Kongregation in Kontakt
getreten und hat seine Meinung in dieser Frage mitgeteilt. Indessen hat
er die mit der Verehrung Ermächtigten gebeten, die pastorale Sorge
der Kongregation zu respektieren und bis auf weiteres beim öffentlichen
Gebet auf diesen Satzteil zu verzichten oder ihn in Stille zu beten. Er
ist sich dessen bewusst, dass dies für viele Menschen einen Zwiespalt
zwischen Überzeugung und Gehorsam hervorrufen kann. Hier verweist
er jedoch auf die Seherin.
Auch sie geriet einmal in ein solches Dilemma und bekam von der Frau zu
hören: „Der Gehorsam muss vorgehen.“ Natürlich,
so sagt er, schließt der Gehorsam einen weiteren, offenen Dialog
über dieses Thema nicht aus. Auch bleibt die große aktuelle
Bedeutung dieses Gebetes, das den „Herrn Jesus Christus“,
den „Sohn des Vaters“ bittet, „jetzt“
den Heiligen Geist über unsere verwundete Welt zu senden, zur Gänze
in Kraft.
In all dem sieht der Bischof auch eine positive Seite. Mit dieser Diskussion
wird ein tieferer Dialog erschlossen. Hinter diesem Satzteil, der nach
der Verkündigung des Dogmas der Aufnahme Mariens in den Himmel gegeben
worden ist, steht eine grundlegende Frage: Wer ist Maria im Tiefsten in
Gottes Heilsplan? Welche Rolle spielt sie beim Kommen des Heiligen Geistes?
Wer darf sie für diese Zeit in dieser Welt sein? Zu diesem Dialog
hat Johannes Paul II. die Theologen im Jahr 2002 ausdrücklich ermutigt.
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